Die Angst vor der Vergangenheit

Ein Kommentar zur aktuellen gesellschaftlichen Diskussion um Günther Grass’ aktuelles Gedicht, “Was gesagt werden muss”. Leider ist es eher ein Kommentar über die Frage nach der deutschen Identität geworden…

Wie alles begann…

Als 1914 der große, verhängnisvolle Krieg in Europa um die zukünftigen Machtverhältnisse  im alten Land ausbrach, konnte man nur erahnen, wie weit und in welcher Art diese Geschehnisse sich auf den restlichen Verlauf des ablaufenden 20. Jahrhunderts auswirken wird. Der zweite Weltkrieg als direkte Konsequenz, der Rassenwahn, der Genozid, ein zerstörtes Europa als Resultat. Die Konsequenz, ein als Kriegstreiber gebrandmarktes Deutschland, vollkommen zurecht. Dass dieser Jahrhundertkrieg sich wirklich so direkt auf das alltägliche Leben, auf das innere Bewusstsein eines Volkes auswirken, deren Gewissen übermannen und geschichtliche Identität einer Nation auslöschen kann, kann keinem bewusst gewesen sein. Wie auch? Der Wandel in die Modernität, die schnelle Umwandlung konventioneller Armeen und motorisierte und gepanzerter Tötungsmaschienerien, lies keinen der damaligen Führer erahnen welch Grauen eine militärische Macht des 20. Jahrhunderts im Vergleich zu einer des 19. Jahrhunderts ausrichten kann. Vielleicht war es den alten Herren, der alten Führungs-Riege Europas dieses enorme Machtmittel nicht bewusst, aber vielleicht warfen sie sich auch nur waghalsig in den Krieg mit dem falschen Bewusstsein, dass Kriege ähnlich denen im 19. Jahrhundert nie größere Auswirkungen auf spätere Jahrhunderte oder Generationen hätten.

Die deutsche Identität

Deutschland dieser Zeit ist wie ein abstraktes Kunstwerk, es ist ein Gebilde ohne Gesicht, ohne klare Kanten an denen man sich als Bewohner dieses Landes orientieren könnte. Die deutsche Nation abgeschliffen, hat ihren Glanz des 19. Jahrhunderts verloren, als die Väter dieser Nation Kleinstaaten und Preußen vereinten, um ein Deutschland zu bilden, welches sich von Ostpreußen bis zum Rhein erstrecken sollte. Damals, bereits Anfang und Mitte des 19.  Jahrhunderts fragte man sich, was denn “Deutsch” sei, was einen verband, was eine Ansammlung verschiedener kleiner Staaten und Volksgruppen zu einem gemeinsamen Staate machen sollte. Die Sprache sicherlich, aber auch gemeinsame Feinde, gemeinsame Sitten und eine gemeinsame Geschichte.

Was ist von alldem übrig geblieben? Vom Stolz, von der Identität, von der Verbundenheit, die einen jeden Einwohner Deutschlands zu einem Deutschen macht, ganz egal welcher Herkunft er ist? Selbstverschuldet haben wir uns der eigenen Identität entraubt, dem Hass der Großväter und die Blindheit Europas haben wir diese Tatsache zu verdanken. 

Man vergleiche die Identität Frankreichs mit der Identität Deutschlands. Auf der einen Seite ein geschichtsträchtiges Bild, welches voller Stolz auf die Grande Nation erblüht, auf der anderen Seite ein Bild der Moderne, vielleicht ein Hundertwasser. Nein, nicht abstrakt in der Form, dass wir in der Bundesrepublik eine solch abstrakte und einfache Gesellschaft hätten, wie es das Gemälde vermuten ließen würde, viel eher will ich damit auf die Verwurzelung der aktuellen Generationen hinaus. Franzosen, sich ihrer Geschichte bewusst, gehen mit gesundem Patriotismus ins Leben, während man in Deutschland teilweise beäugt und belächelt wird, wenn man in einer gewissen Weise zum Vaterland steht. Nationalisten und Rechtsextreme sind zu verachten, das möchte ich an dieser Stelle nur einmal gesagt haben, ich würde auch niemanden einen Vorwurf wegen seiner fehlenden Verbundenheit zum Vaterland machen, ganz im Gegenteil. 

Deutschland hat seine geschichtliche Identität verloren, sein historisches Antlitz in den Wirren des 19. Jahrhunderts zurückgelassen. Keineswegs sollte man auf die Taten der Großväter stolz sein, aber man sollte nicht seine Herkunft vergessen und sich darauf besinnen, dass egal was passieren wird, man in einem Land mit einer gemeinsamen Geschichte, einer gemeinsamen Kultur lebt.

Die Gesellschaft würde stark davon profitieren, wenn man nicht nur die direkte Konsequenz aus den eben jenen Geschehnissen des 19. Jahrhunderts ziehen würde, sondern auch den gesellschaftlichen Prozess der Identitätsbildung unterstützen würde. Deutschland ist keine Nation mit Volk, sondern ein förmlicher Staat mit 82 Millionen Einwohnern. 

Günther Grass: “Was gesagt werden muss

Günther Grass, eine sehr ehrenwerte Person, weltweit hochgeschätzt, sieht sich nun mit einer großen Welle an Kritik der Medien und vieler prominenter Vertreter aus Politik und Gesellschaft konfrontiert. Die Äußerung,  nein gar die Beschimpfung, dass der Herr Grass ein Antisemit sei, hat mich verdutzt. Das Gedicht als Hetze gegen Isreal zu beschreiben ist purer Populismus und hat nichts mit einer sachlichen Verständigung über die politische Aussage des Gedichts zu tun.

Als Sigmar Gabriel vor einigen Wochen die mutige Meinung vertrat, dass die Situation in Palästina menschenunwürdig sei, brachen sogleich starke Proteste gegen diese Äußerung ein. Politiker beschwerten sich über seine verzogene Ansichten, seine aus der Luft geholten Vorstellungen, die jeder Realität entbehren und reiner Nonsens sind. Der werte Gabriel blieb soweit ich mich erinnern kann bei seiner Meinung, allem Widerstand zum Trotz.

Nun einige Wochen nach Grass’ Gedicht ist es bereits still um die Geschichte geworden, der angebliche Antisemit hat somit leider sein Ziel verfehlt. Ein gesellschaftlicher Dialog über die politische Situation im Nahen Osten hatte er sich gewünscht, einen Shitstorm hat er bekommen. Grass als einer der Interlektuellen des 20. Jahrhunderts hat sich seine Achtung verdient, sei es mit politischer Einflussnahme oder lyrischer Brillianz, Fakt ist dabei, dass die Eintagsfliegen, die sich in diesem Land “Politiker” schimpfen, im Wandel des öffentlichen Meinungsbild wie ein elastischer Ball zwischen ihren Aussagen pendeln und dabei ganz und gar Weitsicht oder Ehrlichkeit außer Acht lassen,  um in den kurzen Genuss einer machtvollen Position im Lande kommen. 

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Das Licht

Als indirekte Antwort auf einen Beitrag bei Benny.

Wie sehr wünschte ich nur, ich wär’ ein Licht. Lichter, beleuchtend, aber auch blendend, gleißend, aber auch ganz sanft. Mit unendlicher Präzision bewegt es sich durch Raum und Zeit, ungerührt physischer Geschehnisse, Fantasien, Einbildungen nicht beachtend. Das Licht als Waffe, möge man mit dem Licht einen Gegner blenden, ihn damit von dem eigentlichen Geschehen ablenken, oder will man ihn gar beleuchten? Ihn mit gleißenden Licht schmerzvolle Erinnerungen zufügen? Ihn daran erinnern, dass er nur ein physisches Objekt im drögen Wandel der Zeit ist, ein Exempel statuieren, dass seine Bedeutungslosigkeit nicht auszudrücken ist?

Wie wünschte ich nur, ich wär’ die Zeit. Die Zeit, ein kontinuierliches Faktum, ein multidimensionales Objekt, Gespenste im Geist, Herrscher im physischen Universum. Ja, die Zeit, sie hat eine schier unglaubliche Macht, ein unglaubliches Aussehen, welches sich im Angesicht jedes Menschens physischer oder geistiger Natur wiederspiegelt. Die Zeit allumfassend, Taktgeber der Realität. Die Zeit als Waffe, möge man mit der Zeit einen Gegner zum Aufgeben bewegen, ihn mit purer Ignoranz begegnen, ihm keine Chance lassen, sein Anliegen auch nur zu benennen oder will man ihm gar entgegenkommen, ihm die Hand reichen, ihm sein seiniges versuchen lassen und genüsslich beobachten, wie eben jener am Wahnsinn der Zeit scheitert?

Erkennt denn niemand den Zusammenhang? Den Zusammenhang zwischen Raum, Zeit und Licht? Nun, lasst mich erklären.

Man denke nur, es gebe so etwas abstruses wie die Realität. Ja, verzeiht mir meine Einfallslosigkeit. Die “Realität”, ein objektiv-scheinendes Monster der Subjektivität, ein Scheinlicht im Wandel der Zeit, weder im Stande die Wahrheit zu erkennen, noch einen Weg zu leuchten. Oh, verzeiht mir, noch so ein Konstrukt tiefster menschlicher Phantasien, ein Wünschgefüge, die Wahrheit. Befassen wir uns dennoch mit dieser Annahme, dass es Realität und Wahrheit wirklich geben würde, wo wäre das Licht? Das Licht, welches den physischen Teil der Wahrheit beleuchtet, das Licht welches im Konstrukt mit der Zeit der Realität einen sinnvollen Weg weisen soll? Das Licht, welches überhaupt im Stande ist, so etwas wie Realität zu beleuchten?

Licht, losgelöst von Phantasien, von der Macht der Gedanken, ein rein physisches Konstrukt. Angenommen die Realität sei eindeutig, aber die Realität entsteht doch in unseren Köpfen nicht in der physischen Natur dieses Universums, nicht in dem subjektiven Abbild unserer Gedanken, nicht in dieser Welt. Wahrheit, ein enger Freund der Realität, genauso ein Konstrukt, welches sich mit Licht nicht beleuchten lässt, oh, ich wünschte ich wär’ ein Licht.

Physisch rein, eindeutig, keine Zweifel an meiner Existenz, an meinem Wirken.  Oh, wie gern wäre ich nur ein Licht…

 

Eine sehr philosophische Antwort, die viel Raum für Interpretationen lässt. Allerdings besteht zwischen meiner Antwort und dem ursprünglichen Text von Benny ein wirklicher Zusammenhang. Dafür könnte man sich meine Definition von Licht in diesem Text nochmal angucken und dies auf die “Realität” beziehen.

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Offener Brief an Apple Fanboys

Liebe Apple-Fanboys,

zur Zeit ist ja für euch mal wieder Hochkonjunktur angesagt, Apple verkündet Rekordquartalszahlen, eine neue MacOSX-Version wurde gerade angekündigt und das nächste iPad ist auch nicht mehr weit. Apple ist unter den Smartphones eine feste Größe, wenn nicht gar dominierend, aber bitte bedenkt, dass euer Heiland es nicht geschafft hat, den PC-Markt mit einer ähnlichen Dominanz heimzusuchen, wie den mobilen Smartphone -Markt. MacOSX, aus meiner Perspektive, also der Perspektive eines Software-Entwicklers, der hochperformante Applikationen schreiben will, ist das leider der letzte Dreck. Nein wirklich, Steve hat es in all den Jahren nicht geschafft, aus dem Mac eine ordentliche Entwicklungsumgebung zu konstruieren. Schlechte und veraltete OpenGL-Treiber, sehr alte Compiler und dann noch diese pure Ignoranz, die viele Entwickler in den Wahnsinn treibt und den Fortschritt dämpft.

Aber nein, das müsse euch ja keine Sorgen machen. Die Apple-Marketing Abteilung leistet gute Arbeit, ihr fühlt euch als etwas besonderes, als etwas besseren, als überlegen. Aber gut, verblendet wie ihr seid, betört von dem süßen Duft einer exklusiven Welt, werdet ihr diesen Artikel eh nicht lesen. Bitte vergesst niemals, dass eure Welt nicht exklusiv ist, ihr teilt sie mit hunderten Millionen anderer Menschen, wow, das nenne ich mal eine exklusive Gesellschaft. 

Nein, Windows ist auch nicht das wahre Betriebssystem, nicht perfekt, mindestens genauso fehlerhaft wie ein Mac, aber bitte bedenkt, dass Windows einfach größer ist, es wird mehr genutzt und die meisten Menschen interessiert nicht einmal, dass es auch etwas anderes gibt. Es mag Branchen geben, in denen Macs durchaus ein Standard sind, aber mal ehrlich, dass sind nur wenige Prozentpunkte auf dem weltweiten Markt. Windows dominiert den PC-Markt, genauso wie Android hoffentlich bald den Smartphone Markt dominieren wird. Windows hat auch die bessere Strategie was Entwicklerfreundlichkeit angeht, sie schaffen neue Möglichkeiten, neue Technologien und stellen sie den Entwicklern auf eine angenehme Art und Weise(manchmal mehr, manchmal weniger) zur Verfügung und man muss sich nicht einmal registrieren oder auf eine andere Art und Weise zeigen, dass man gut genug ist für die einzig wahre Plattform zu entwickeln.

Was, ich bin ein Windows-Fanboy? Nein, ganz im Gegenteil, Windows sucks, genauso wie Mac. Windows ermöglicht mir es trotzdem kosteneffizient langfristig zu entwickeln, während ich bei Macs selbst zwischen kleineren Updates auf Inkompatibilitäten stoße. MacOSX wird nicht sterben, das nicht, aber es wird ein OS mit kleinem Marktanteil  bleiben und niemals eine ähnliche Größe wie Windows erreichen. Alleine schon aus dem Grund, weil es für Entwickler, insbesondere Spieleentwickler, die einen möglichst großen Markt mit ihren Produkten erreichen wollen, sehr unbequem ist, für den Mac-Markt und für den Windows-Markt zu entwickeln. 

Wie, ihr glaubt mir nicht, dass MacOSX ein Nischenprodukt im Vergleich zu Windows sein soll? Achso, ja, weil MacOSX ja sicherer ist und es keine Viren auf MacOSX gibt!1 
Schwachsinn. Sicherheitslücken unter MacOSX zu finden ist ein leichtes, eventuell noch leichter als unter Windows, da die meist offener mit Lücken umgehen und die auch sofort fixen. MacOSX baut auf einer größeren Menge an OpenSource-Software auf, die sie aufgrund von Lizenzänderungen bei den einzelnen Projekten teilweise seit Jahren nicht mehr updaten. Alleine das gibt einem geübten Entwickler schon die Möglichkeit mit sehr einfachen Methoden effektive Lücken zu finden.

Aber, warum gibt es dann mehr Windows Viren als MacOSX-Viren? Ganz einfach: Euer Markt ist einfach zu klein, nur wenige kriminelle Entwickler interessieren sich für MacOSX, weil es sich einfach nicht lohnt. Viren-Entwickler sind auch nichts anderes als normale Menschen, die mit ihrem Handwerk ihren Lebensunterhalt bestreiten möchten, MacOSX ist da einfach nicht lukrativ genug.  An dieser Stelle kann man MacOSX natürlich als sicherer bezeichnen, alleine schon, weil es niemanden interessiert. Lustig, nech?

Du hast doch gar keine Ahnung von Macs! Doch, ich habe längere Zeit für MacOSX entwickelt und werde es als eine Qual in Erinnerung behalten. Das mag vielleicht auch an meiner Fachrichtung, Echtzeitgrafik und Imaging, liegen, aber MacOSX stellt leider nunmal nur einen sehr alten C++-Compiler und alte OpenGL-Treiberversionen bereit. Das ist eine Zumutung.

Und warum ist dann Apple so erfolgreich, wenn angeblich MacOSX unsicher und nicht das am weitesten entwickelte OS ist? Ganz einfach: Marketing; Wenn ihr außerdem auf den Smartphone Markt die Phrase “Man sieht am Erfolg wie gut Apples Produkte sind” anwendet, so müsste die ja auch für den PC-Markt gelten: “Man sieht am Erfolg von Microsoft Windows wie gut es ist!“. Oh, ouch, was ein Mist!1 Wie ich am Anfang schon angesprochen habe ist das Marketing beinahe in die Perfektion getrieben, auch die Usability der Apple-Produkte kann man nicht abstreiten. Zusätzlich noch ein schickes Design und eine freche Werbung, fertig ist das Erfolgsprodukt. Prinzipiell ist Apples-Formel relativ einfach, allerdings gibt es auch nicht viele Firmen, die sie so in die Perfektion getrieben haben und somit Millionen Menschen dazu gebracht haben, ein Stückchchen arroganter zu sein.

Wieso behandelst du in diesem Artikel nur den PC-Markt und nicht den mobilen Markt, in der Apple ja wirklich eine große Nummer ist?   Muahah, ich begebe mich nicht auf unbekannte Gebiete bzw. lästere nicht über Sachen, die ich nicht genausten kenne. Ich habe kein Smartphone und werde in nächster Zeit auch kein Smartphone brauchen.

SCNR, ein frustrierter Heise-Leser und Linux-User  

Dieser Artikel beinhaltet satirische Elemente, die nicht ganz zufällig Äußerungen aus unbestimmten Foren ähneln.

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Alius inter paris – Repost ( Endlich mit Kommentaren )

“Glänzende Schriften, Geräusche, ein Klirren, gar ein Ziepen, nein ein Schmerz in den Ohren, tausende Eindrücke, wirre Worte, dem Chaos gleich. Benommen sah ich auf, der Realität entrinnend, dennoch getrieben von eben jener wieder einverleibt zu werden. Empfindlich auf jede Art von Impression, von Geräuschen, von Lichtern suchte ich verzweifelt einen jener stillen Orte, an dem Realität und dumpfes Klopfen im Kopf wieder zu einer klaren Einheit verschmelzen und ich mein Bewusstsein wieder errichten kann. Durch die Gänge tobend getrieben von der Angst und dem Schmerz auf der Suche nach einem Stück ruhiger Erde, nach einem besinnlichen Ort, der durch seine Einfachheit und Übersichtlichkeit seine pure Schönheit entfaltet. Die Gänge mögen nicht enden, verzweigen sich, die Übersicht geht verloren, doch schließlich fand ich eine sanfte Wiege für meinen verzweifelten Verstand, für meinen unruhigen Geist und nicht zuletzt dem physischen Schmerze in meinem Kopf.

Fragende Blicke, irritierende Gesten, Fehlinterpretationen begegnen meinem Auge nachdem ich mich kurz der Realität entbehren und mich ausruhen konnte, um dann wieder einzutauchen. Unverständnis macht sich breit und windet sich durch alle Ecken jenen Raumes, der schon so oft Rückzugsort und Tatort für mich war. Nun, nachdem ich durch ein physisches und psychisches Labyrinth geirrt und beinahe im Chaos gelandet war, folgt nun ein gesellschaftlich sozialer Jungle, der vor Tücken nur so strotzt. Körperlich mir nicht anzusehen und für viele unbemerkt kamen solche Stresssituationen auf mich zu, verfingen sich wie Delphine bei der Tunfischjagd in den großmaschigen Netzen meiner physischen und psychischen Existenz, dennoch waren sie da, dennoch waren sie real. Doch, das war nur meine Realität, den anderen, ja so würde ich es formulieren, geht es anders. Sie leben in ihrer Realität, mit ihren Versionen der Vorkommnisse, mit ihren Gerüchten und Gedanken, frei.  Meine Realität jedoch, gefesselt an die Auswirkung physischer Vorkommnisse, wird für sie immer nur ein kleiner Fisch im großen Netz der selektiven Wahrnehmung und des Geistes sein, den es zu vernachlässigen gilt.

Die Gesellschaft im Ganzen wandelte sich, wenn auch nur langsam, ein Unterschied war zu vernehmen, ein Unterschied zum sonstigen drögen Ablauf, es war Unruhe, Missverständnis.  Ich wollte schon wieder der Realität entgleiten und mich an andere imaginäre Orte zurückziehen, doch da merkte ich, nein, nicht ich bin der Unruhefaktor in diesem Raum, in dieser Gesellschaft, es ist stillschweigende Unwissenheit, brachiale Dummheit und vehemente Vorurteile…”

Anfangend mit dieser kleinen abstrakten Geschichte, die hoffentlich nicht zu verwirrend war, möchte ich mich heute einem sehr bewegendem Thema für viele Menschen weltweit widmen. Bei dem Thema handelt es sich um Behinderungen jeglicher Art im Allgemeinen und im Spezifischen um Behinderungen, die von anderen Personen und der Gesellschaft nicht wahrgenommen werden. 

Behinderungen jeglicher Art stellen für die Betroffenen und alle Angehörigen in jedem Fall eine psychische und oft auch physische Einschränkung dar, die wahrscheinlich größere Einschnitte in das als normal definierte Leben bedeuten. Alleine dieser erste Satz zeigt schon viele Probleme auf, die diese westliche Gesellschaft im Umgang mit “Behinderten” und “Nicht-Normalen” hat. Eventuell ist der Drang zu pauschalisieren statt zu differenzieren  in dem modernen Bewusstsein des Menschen bereits soweit verwurzelt, dass der westliche Mensch gar nicht anders kann, als Eigenschaften Persönlichkeiten mit spezifischen Merkmalen zuzuschreiben, ohne sie auch nur zu kennen. Viel eher als diese Verwurzelung ist es meiner Meinung nach eine Sache der Bildung und eine Sache der Kultur bzw. Gesellschaft, ja, demnach gibt es sehr wohl grundlegende Ursachen für diese Probleme. 

Bildung verhilft Menschen dazu Informationen jeglicher Art differenziert zu betrachten, nein, ich will damit nicht aussagen, dass Bildung in diesem Land generell auf einem schlechten Niveau abläuft, allerdings ist ein großes Fehlkonzept beispielsweise die Trennung zwischen normalen und Schulen nur für Behinderte. Diese Trennung fördert nur das fortschreitende Missverständnis von Menschen ohne Behinderung gegenüber Behinderten und trägt auch nicht zur Integration Behinderter in die Gesellschaft bei. Eine frühe Sensibilisierung der breiten Massen würde sicherlich schon viele Vorurteile beseitigen, jedoch stellt sich die Frage, ob für eine ausreichende Sensibilisierung überhaupt die kulturellen Gegebenheiten erfüllt. Die moderne Popkultur stilisiert Vorbilder, definiert “Perfektion”, zeigt wie es aus ihrer Sicht sein sollte. Insofern wäre auch ein verbreiteter Umgang mit Behinderten in Medien und Kultur wichtig, um Integration erfolgreich in allen Bevölkerungsschichten voranzubringen. 

Wäre ich ein politischer Entscheidungsträger, würde ich alle Behindertenschulen auflösen und sie in normale Alltagsschulen integrieren, jedenfalls solange es die medizinischen Gegebenheiten einer Person erlauben. Andererseits eine weitreichende Sensibilisierung durch Medien und Artikel, es muss ein gesellschaftlicher Prozess in Gang gesetzt werden, der Behinderte vor der so oft drohenden Ausgliederung aus Gesellschaft und Kultur rettet und sie in die Gesellschaft integriert. 

Behinderungen, die nicht nach äußerlichen Merkmalen zu erfassen sind, sollten auch bedacht werden. Auch sie sollten ihre Rechte bekommen, die übrigens durch das Grundgesetzt festgelegt werden und besagen, dass jeder ein Recht auf Integration hat. Scheinbar unbemerkt kann man sich als Person mit solchen Einschränkungen aufhalten, was durchaus Vorteile haben kann, allerdings nicht wenn man Verständnis sucht. Alius inter paris – Der Andere unter Gleichen, so scheint es. Auch hier würde eine ausreichende Sensibilisierung Wunder wirken und vielen Menschen weltweit oder jedenfalls in Deutschland und westlichen Kulturkreisen helfen.

Kein Mensch verdient Diskriminierung, keiner verdient Unverständnis und Spott, alle sollen ihren Platz in der Gesellschaft haben, es ist irrelevant wie weit sie von der Definition des “Normalseins” der Medien abweichen.

Dafür zu sorgen ist die gesellschaftliche Pflicht eines jeden Bürgers.

 

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Der Bundespräsident und seine Rolle im Staat

Der aktuelle Bundespräsident Christian Wulff bringt das Volk durch alle Schichten hindurch zum Diskutieren wie schon lange nicht mehr, Medien bringen sich in Stellung und fahren schwere Geschütze auf, um ihre spezifische Meinung zu  vertreten. Doch wieso der ganze Zirkus um das Amt eines machtlosen Mannes?

Der Bundespräsident genoss lange Zeit das Vertrauen der Bürger und der Medien und erregt aufgrund der aktuellen Ereignisse eine große Aufmerksamkeit bei eben jenen, denen er laut Verfassung als moralisches Vorbild dienen sollte. Christian Wulff, ehemals CDU-Politiker und Niedersachsens Ministerpräsident, mittlerweile Bundespräsident, muss sich mit dem Vorwurf der fehlenden Transparenz seitens der Bürger und Medien auseinandersetzen, die die konkrete Aufklärung der Umstände um seine Kreditaffäre und die vielen Unternehmerbekanntschaften und Freunde fordern. Der Bundespräsident als solches dient als Oberhaupt des Staates ohne auch nur direkten Einfluss auf politische Organe zu haben, seine Macht entspringt nicht seinen politischen Entscheidungskompetenzen, sondern seiner Worte und seiner Moral. Demnach sollte der Bundespräsident über der Alltagspolitik, die dem Konkurrenzkampf zwischen Parteien, Fraktionen und Strömungen unterliegt, dem Staat als oberste moralische und ethische Instanz dienen, der eben jenen gesellschaftlichen Prozess der Meinungsbildung und des Konsens durch die bloße Macht seiner Worte zu verändern mag.

Der gewichtigste Punkt der Rolle des Bundespräsidenten ist sicherlich die Unabhängigkeit von der Alltagspolitik und die fehlende Pflicht das Denken und  das Handeln nur auf die aktuelle Legislaturperiode zu beschränken und die eigene Macht zu festigen. Deswegen ist es auch sehr wichtig, nur parteilosen  und erfahrenen Politikern die Rolle des obersten Manne im Staat zuzutrauen, da der Druck, der durch die schiere Erwartung an Moral und Weisheit  der Person, sonst der Standhaftigkeit eines Alltagspolitikers übersteigen würde. Die Realpolitik ist leider weit vom Optimum entfernt und orientiert sich
überwiegend an parteipolitischen Gegebenheiten. Beispielsweise galt Wulff vor seiner Wahl als engagierter Parteipolitiker, der bereits sich bereits seit vielen Jahren CDU-Mitglied nennt. Sicherlich war bei Wulffs Wahl zum Bundespräsidenten Parteipolitik im Spiel, allerdings kann man das aufgrund fehlender  Transparenz in der Politik nicht exakt feststellen. Fakt ist, dass Wulff anfangs beliebt bei Bevölkerung und Medien war und sich nun durch eigene Fehler und Versäumnisse ins Abseits beförderte. Dabei war Wulff bei langem nicht ein schlechter Bundespräsident bis zu dem Tag als er all seine moralischen  Verpflichtungen abschweifte und mit seinem Versuch die Berichterstattung über sein Fehlverhalten bei einem bekannten Printmedium durch Drohungen zu verhindern, auch noch ein elementares Grundprinzip der Demokratie in Frage stellte. Allerdings verlor er an jenem Tag sein größtes Gut als Bundespräsident:
seine Glaubhaftigkeit; mit seinen Reden zum Islam und Integration konnte Wulff noch von Mut und Moral zeugen, mit dem Missachten der Grundprinzipien der Demokratie stellt er jedoch seine Eignung als Bundespräsident in Frage.

Ist ein Bundespräsident, der die Pressefreiheit verletzen will und versucht die öffentliche Berichterstattung über ihn zu verhindern, nur um an der Macht zu bleiben, legitim? Der Bundespräsident ist ein Verfassungsorgan und sollte aus eben jenem Grund die Verfassung verteidigen und sie mit Überzeugung vertreten. Ein Bundespräsident, der als oberster Politiker im Staat und als moralische Instanz die Grundwerte der Demokratie, also unseres Systems, missachtet, ist meiner Meinung nach nicht legitim.
Die Legitimität verlor er mit dem Anruf bei der BILD-Redaktion. Die Kreditaffäre ist meines Erachtens nach nicht so kritisch, wie es viele sehen. Viel wichtiger ist die Rufschädigung seines Amtes, das Bloßstellen der deutschen Demokratie auf internationaler Bühne und der Vertrauensbruch gegenüber den Bürgern.

Herr Wulff, Sie müssen gehen, jetzt( bzw. nach Missachtung einiger moralischer Grundgesetze und Grundrechte dieser Demokratie ) erst recht.

Was meint ihr dazu? Seht ihr die Rolle des Bundespräsidenten im Staate beschädigt oder nur dessen akute Person?

 

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